Dienstag, 5. Februar 2013

I lost my heart

to a man with these shoes...

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Freitag, 1. Februar 2013

Traumberuf II

Heute ist Freitag. Freitag ist eigentlich mein Frei-Tag und somit kein Nervtag und kein Hausaufgabentag.
Da die Vokabel "Frei" aber nur eine Utopie meiner Zeitgestaltung ist, habe ich heute selbstverständlich nicht frei.
Im Gegenteil. Nach 7 Stunden Nebenjob (Uni) darf ich mich auf den Weg zu meinen beiden wundervollen Ersatzkindern machen, um mit Ihnen meinen Freitag Abend zu verbringen. Yeah!
Weil zwei Kinder nicht genug Spaß sind, hat sich Maja noch Ihren potentiellen Ehemann eingeladen, dessen Eltern ebenfalls super busy sind. Gratis Kindermädchen für die Beiden. Perfekt.
Und für mich gratis Kinderlieder, gratis Gebrüll, gratis verschüttete Milch und gratis Pizza auf dem Boden. Und alles dreifach.
Ich Glückskind.
In einem Anflug von Romantik habe ich mir heute morgen mit dem Gedanken "du hast nachher ja etwas Ruhe" meine Tageszeitung eingepackt.
Haha.
Immerhin habe ich durchgesetzt, dass während des Essens nicht gequatscht wird. Nicht weil es mich stört, sondern weil es das Risiko, noch einen weiteren Liter Milch aufwischen zu müssen auf ein Minimum reduziert. Ganz zu schweigen von den herumfliegenden (gekauten) Pizzastücken und dem Kuscheltier in der Spüle.

Das Besucherkind spricht so nasal, dass ich ihm gerne eigenhändig die Polypen rausschälen möchte. Es möchte JETZT von mir vorgelesen bekommen und bekräftigt seine Aussage dadurch, dass er meine optimistisch ausgebreitete Zeitung eigenhändig zur Seite räumt.

Geeeeeht doch bitte.

Ich mache mir kurz Gedanken darüber, wie wohl nachher die Antwort auf Besucherkindmama's Frage "und? Wie wars?" ausfallen wird.
Wahrscheinlich eine Mischung aus "das Kindermädchen ist voll doof" und "wir haben Pizza gegessen!". Aber kurz heißt kurz und deswegen bin ich nichtsdestotrotz weiterhin endgenervt vom all dem Gewusel und Gewühle vor, neben, unter und über mir, dass ich die Kinder ins für sie eigens eingerichtete Zimmer verfrachte. Bleib!
Feiiiin.

Dienstag, 29. Januar 2013

Traumberufe

Mit dem Kopf in den Nacken gelegt starre ich an die ungleichmäßig weiß gestrichene Decke mit den drei Neonröhren, von denen eine nicht geht und die mittlere flackert.
Die Wände sind in einer Art gelbton gestrichen. Ein Gelb, wie solches, wie das von Senf mit etwas Milch verquirlt. Die Türen in weiß gestrichen, die Ecken werden aber schon beige.
Über den Sofas liegen rote Decken, die zu klein sind und nicht vollständig das Grau und Hellrot der unter ihnen befindlichen Sofas verbergen.
Zwei weiße Schwingsessel stehen wie Soldaten der Nationalgarde auf dem Orientteppich.
Ein stimmiges Bild.

Maja bohrt mir ihre Füße in den Unterleib, der ohnehin schmerzt. Umständlich verdreht versucht sie im liegen den Fernseher hinter sich zu oberservieren, um ein paar bewegte Bilder der laufenden Kinderserie zu erhaschen.
Im Raum nebenan bekommt Julius Schlagzeug Unterricht. Ob es sich hierbei wirklich um die klassische Definition von Unterricht - das heißt, einer lehrenden und im Idealfall erfolgbringenden Institution- handelt, wage ich zu bezweifeln.

Noch zwei Minuten.

Heute ist wieder Dienstag. Musikschultag.
Oder genauer gesagt: Kindergartensporttag, Musikschultag, Hausaufgabentag und Nervtag.
Hausaufgaben- und Nervtag ist zum Glück jeden Tag. Denn ich mag feste Strukturen und möglichst wenig Abwechslung. Deswegen bin ich Nanny.
So nennt man das im Jahr 2013.
1990 hieß das noch Kindermädchen.
19:20 nannte man meinen Beruf Amme.
Und um 1880 wäre ich die Magd gewesen.
Es ist der absolut schlimmste Job unter der Sonne, von dem nicht mal ein halber Mensch leben kann, ohne sich nebenbei noch zu prostituieren.
Leider habe ich dafür aber keine Zeit, weil ich mich in jeder freien Minute um die beiden Kinder kümmere. Ersatzmutti oder Boxsack trifft es daher deutlich besser als Nanny.

"Hab ich heute noch Medienzeit?"
Medienzeit. Eine Vokabel von härterer Währung als dir Schweizer Franken.
30 Minuten am Tag pro Kind vor der Glotze, dem Computer oder IPad. Und keine Sekunde länger.
"Nein. Du schaust ja schon seit über einer halben Stunde Ferns..."
Weiter komme ich nicht.
Wenn sich das Gesicht von Prinzessin Maja der I. langsam zu einem Knautschball verformt dauert es keine Zehntelsekunde, bis ein sirenenartiges Geräusch die Luft zwischen Gehörgang und Trommelfell zerreißt.

Heute ist Nervtag. Erwähnte ich das?

"ABER ICH WOLLTE GAR NICHT ABER DAS IST DOOF ABER DA WAR DOCH AUCH WERBUNG ABER ICH HAB DAS GAR NICHT GEGUCKT..."

Doch hast du. Ende der Diskussion.
(Ich bilde mir ein, dass dies eine Diskussion war und schließe das Thema mit einem "Problem gelöst" Haken)

Julius ist endlich fertig. Statt der teuren Schlagzeugstunden würde es zur Beschäftigung auch ein Comic-Heft Abonnement tun, denn kaum hat er seinen Unterrichtsraum verlassen, klebt er bereits wieder hinter der schön bebilderten Auslegeware.